Insights · Sichtbarkeit

Wie misst man, ob eine KI das eigene Unternehmen empfiehlt?

Von mowa.studio · Webdesign, Branding & Animation aus Wien · Veröffentlicht im · Aktualisiert im

Editoriales Kampagnenmotiv: blaues Leuchtplakat mit der Frage Wer wird empfohlen an einer dunklen Steinfassade

Gestern hat ChatGPT das eigene Unternehmen empfohlen, heute taucht es nicht mehr auf. Hat die neue Website etwas verschlechtert? Vielleicht. Vielleicht war die Frage anders formuliert, ein anderer Ort gemeint oder eine andere Quelle verfügbar. Ein einzelner Screenshot beantwortet das nicht.

KI-Sichtbarkeit lässt sich über mehrere Signale beobachten: Nennungen und Quellen, Plattformberichte, Website-Besuche und qualifizierte Anfragen. Eine feste Position wie „Platz drei in ChatGPT“ ist als allgemeine Aussage zu ungenau. Man muss dazusagen, bei welcher Frage, unter welchen Bedingungen und zu welchem Zeitpunkt sie beobachtet wurde.

Zuerst festhalten, wofür man gefunden werden möchte

Eine Liste mit hundert beliebigen Prompts erzeugt viel Arbeit und wenig Orientierung. Für den Anfang reichen einige echte Entscheidungssituationen: Jemand sucht einen Anbieter, vergleicht zwei Lösungen oder möchte vor einer Beauftragung eine konkrete Frage klären.

Für ein Studio mit Schwerpunkt auf hochwertigen Websites wären beispielsweise „Wer gestaltet individuelle Premium-Websites in Wien?“ und „Wann lohnt sich 3D auf einer Unternehmenswebsite?“ zwei unterschiedliche Situationen. Die erste fragt nach einem Anbieter, die zweite nach einer fachlichen Einschätzung. Eine Erwähnung des Studios und eine Verlinkung auf seinen Ratgeber wären entsprechend verschieden zu bewerten.

Die Fragen sollten zum bestehenden Angebot passen. Wer für Premium-Webdesign sichtbar werden möchte, braucht keinen Themenplan, der plötzlich billige Baukasten-Websites bewirbt. Ein Messplan ist auch ein Schutz davor, jedem neuen Schlagwort hinterherzulaufen.

Google und Bing liefern inzwischen eigene Einblicke

Stand Oktober 2026 gibt es mehr direkte Daten als noch vor einem Jahr. Google hat im Juni eigene Berichte zur Sichtbarkeit in generativen Suchfunktionen vorgestellt; laut aktualisierter Ankündigung sind sie seit Ende August weltweit ausgerollt. Sie zeigen Impressionen und beteiligte Seiten, aufgeschlüsselt unter anderem nach Land und Datum; für die Suche auch nach Gerät. Die Daten bleiben zugleich im übergeordneten Leistungsbericht enthalten. Wer sie zusätzlich zusammenzählt, würde Sichtbarkeit doppelt zählen. Quelle: Google Search Central zu den neuen Berichten.

Bing Webmaster Tools bietet mit AI Performance Einblicke in Quellenzitate aus Microsoft Copilot, Bing und ausgewählten Partnerangeboten. Dazu gehören zitierte URLs und zeitliche Entwicklungen. Bing weist ausdrücklich darauf hin, dass Zitatzahlen keine Rangposition innerhalb einer Antwort ausdrücken. Sie bilden auch keine vollständige Übersicht sämtlicher KI-Systeme ab.

Im Oktober kam außerdem das Topics Portfolio als Beta hinzu. Es bündelt Themen und zeigt mögliche Lücken gegenüber anderen zitierten Websites, sofern genügend Daten vorhanden sind. Das ist ein brauchbarer Ausgangspunkt für Recherche. Ob eine vorgeschlagene Frage zum eigenen Geschäft gehört, muss trotzdem jemand entscheiden.

Vier Ebenen getrennt betrachten

EbeneWas wir beobachtenWas daraus noch nicht folgt
ErwähnungDer Firmenname erscheint in einer AntwortDass die eigene Website als Quelle verwendet wurde
QuellenzitatEine konkrete URL wird verlinktDass jemand den Link angeklickt hat
BesuchDie Webanalyse erkennt einen Besuch aus einer KI-AnwendungDass alle solchen Besuche erfasst wurden
AnfrageEin passender Interessent nimmt Kontakt aufDass ein einzelner Inhalt allein dafür verantwortlich war

Gerade bei kleinen Websites ist diese Trennung hilfreich. Zwei gute Anfragen können geschäftlich interessanter sein als viele Erwähnungen zu Fragen, die mit dem Angebot wenig zu tun haben. Umgekehrt braucht eine selten besuchte Fachseite nicht sofort eine neue Überschrift, nur weil sie in einem kurzen Zeitraum keinen messbaren Kontakt gebracht hat.

Bei der Webanalyse bleiben Lücken: Weitergaben, spätere direkte Aufrufe und fehlende Herkunftsinformationen sind nicht immer zuordenbar. Die Frage „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“ im Gespräch ergänzt die Zahlen. Sie ersetzt sie ebenso wenig, wie die Zahlen das Gespräch ersetzen.

Gestaltetes KI-Beobachtungsprotokoll mit Feldern für Datum, Plattform, Frage und Quelle
Vorlage für eine Stichprobe: Datum, Plattform, genaue Frage und Quelle festhalten; Erwähnung, Zitat und Link getrennt erfassen.

Ein einfaches Beobachtungsprotokoll

Für manuelle Stichproben genügt eine Tabelle mit Datum, Plattform, genauer Frage, Sprache, erkennbarem Standortbezug und den genannten Unternehmen. Dazu kommen die verlinkten URLs und eine kurze Notiz, ob das eigene Angebot korrekt beschrieben wurde.

Die Abfragen sollten unter möglichst vergleichbaren Bedingungen wiederholt werden. Einen Folgedialog, der schon ausführlich über die eigene Marke gesprochen hat, sollte man nicht mit einer frischen Suche vergleichen. Auch eine gezielt auf die Firma zugeschnittene Frage ist kein neutraler Test für allgemeine Sichtbarkeit.

Wir würden einen kleinen festen Satz von Fragen regelmäßig prüfen und zusätzliche Fragen als eigene Gruppe dokumentieren. So bleibt erkennbar, ob sich die Beobachtungen verändert haben oder nur die Auswahl der Tests. Dieses Vorgehen liefert Stichproben, keine repräsentative Marktstatistik.

Vor Änderungen eine Ausgangslage sichern

Wenn eine Website bereits für passende Begriffe gefunden oder empfohlen wird, verdient dieser Bestand Aufmerksamkeit. Festhalten würde man die wichtigen Seiten, ihre bisherigen Suchanfragen, vorhandene Quellenzitate und die Formulierungen, mit denen das Angebot beschrieben wird.

Neue Artikel können danach klar abgegrenzte Fragen beantworten und auf diese Seiten verweisen. Ein Beitrag über das Messen von KI-Sichtbarkeit hat beispielsweise eine andere Aufgabe als die Leistungsseite für SEO und GEO. Er erklärt eine Methode; die Leistungsseite beschreibt die Zusammenarbeit.

Ein paar Wochen später lassen sich Veränderungen einordnen. Dabei sollte man Veröffentlichungen, technische Änderungen und größere Kampagnen mit Datum notieren. Sonst schreibt man vielleicht einem neuen Artikel einen Effekt zu, der mit etwas anderem zusammenhängt. Bei kleinen Datenmengen braucht es entsprechend mehr Geduld.

Was tun, wenn die Zahlen zurückgehen?

Zuerst unterscheiden: Fehlen Zitate auf einer Plattform, sinken Besuche insgesamt oder kommen weniger passende Anfragen? Danach einzelne Seiten prüfen. Sind sie erreichbar und indexierbar? Hat sich ein wichtiges Thema verändert? Wurde eine URL verschoben? Beschreibt eine KI das Angebot falsch?

Eine schwächere Stichprobe ist noch kein Grund, funktionierende Texte komplett umzuschreiben. Und neue Inhalte sind keine Garantie, dass bestehende Empfehlungen bleiben. Sinnvoll ist eine begründete Änderung, deren Wirkung man anschließend beobachten kann.

Die Grundlagen dafür stehen in unserem Artikel Wie man in ChatGPT als Empfehlung auftaucht. Für die laufende Beurteilung zählt dann vor allem eine saubere Aufzeichnung: Welche Frage, welche Quelle, welche Veränderung und welche Anfrage folgte tatsächlich daraus?

Über mowa.studio

mowa.studio ist ein inhabergeführtes Studio für Webdesign, Branding und Animation in Wien, spezialisiert auf 3D im Web mit WebGL und Three.js. Seit 2016 sind über 100 Websites und mehr als 100 Markenidentitäten für Unternehmen im DACH-Raum entstanden, unter anderem für ÖBB, Ärzte am Augarten und Eurea Real Estate. Projekte ansehen

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