Insights · Zukunft

Ist Webdesign tot?

Von mowa.studio · Webdesign, Branding & Animation aus Wien · Veröffentlicht am

Kobaltblaues Designmagazin mit der Aufschrift Webdesign lebt auf geriffeltem Aluminium

Nein. Was gerade verschwindet, ist die Website von der Stange: fünf Seiten nach Vorlage, Stockfotos und Texte, die zu jedem Unternehmen passen würden. Das erledigen die KI-Funktionen von Wix, Framer oder Squarespace inzwischen in Minuten und für ein paar Euro im Monat. Webdesign im eigentlichen Sinn heißt herauszufinden, was eine Website für ein bestimmtes Unternehmen leisten muss, und das gestalterisch und technisch umzusetzen. Das wird nicht überflüssig. Es wird wichtiger, weil alles andere gleich aussieht.

Wir machen seit 2016 Websites, und in dieser Zeit wurde Webdesign schon mehrmals für tot erklärt: als die ersten Baukästen kamen, als es WordPress-Themes für 50 Euro gab, als alle meinten, eine Facebook-Seite reiche. Diesmal ist der Umbruch tatsächlich größer, weil er zwei Seiten gleichzeitig trifft. Websites zu bauen ist billiger geworden, und gleichzeitig beantwortet Google viele Fragen, bevor jemand eine Website öffnet.

Was hat sich durch KI tatsächlich verändert?

Erstens ist das Herstellen billig geworden. Ein Layout, Texte, Bilder und der Code für eine einfache Seite entstehen in wenigen Minuten. Das Ergebnis ist oft brauchbar, selten gut, aber für viele Zwecke ausreichend.

Zweitens hat sich verändert, wie Menschen suchen. Seit Oktober 2025 gibt es den KI-Modus von Google auch in Österreich, und über vielen Suchergebnissen steht eine KI-Zusammenfassung. Laut einer Auswertung des Pew Research Center klicken Nutzer dann in 8 Prozent der Fälle auf ein klassisches Ergebnis, ohne Zusammenfassung in 15 Prozent. Was das für Unternehmenswebsites bedeutet, steht im Artikel Klickt noch jemand, wenn Google selbst antwortet?

Zusammen heißt das: Websites, die nur Allgemeinwissen wiedergeben, verlieren. Websites, auf denen eine Entscheidung fällt, also eine Anfrage, ein Termin oder ein Kauf, werden wichtiger, weil die Vorrecherche inzwischen woanders passiert und die Menschen gezielter ankommen.

Welche Websites braucht es wirklich nicht mehr?

Ehrlich gesagt: Für manche Fälle reicht ein Baukasten mit KI-Unterstützung völlig. Eine Vereinsseite, ein Hobbyprojekt, eine Gründung, die erst einmal testen will, ob die Idee trägt. Wer nur Adresse und Öffnungszeiten zeigen muss, ist mit einem gepflegten Google-Unternehmensprofil und einer einfachen Seite gut bedient.

Unter Druck geraten vor allem Anbieter, die genau das verkauft haben: eine Vorlage befüllen, Logo tauschen, fertig. Diese Arbeit macht jetzt ein Werkzeug, und dagegen lässt sich mit Preisen nicht ankommen. Welche Plattform für welchen Fall passt, vergleichen wir im Artikel WordPress, Wix, Webflow oder selbst entwickelt?

Leuchtschrift Geöffnet im Schaufenster eines Designstudios bei Nacht
Konzeptmockup: Geschlossen hat die Vorlage, nicht das Handwerk.

Was macht ein Webdesigner heute, was KI nicht kann?

Eine KI baut, was man ihr beschreibt. Die meisten Unternehmen wissen aber am Anfang nicht genau, was sie beschreiben sollen. Der wertvollste Teil eines Webprojekts passiert deshalb vor dem ersten Entwurf: Wer sind die Kunden, womit vergleichen sie, warum rufen sie nicht an, was muss weg?

AufgabeKann KI das?
Erste Layout-Entwürfe und VariantenJa, schnell und oft brauchbar
Texte nach VorgabeJa, aber ohne echte Fakten austauschbar
Code für StandardseitenJa, mit Fehlern, die man erkennen muss
Herausfinden, was Kunden überzeugtNein
Gestaltung, die sich von Mitbewerbern abhebtSelten, sie bildet den Durchschnitt aus Bestehendem
Verantwortung für Recht, Sicherheit und BarrierefreiheitNein

Dazu kommen Dinge, die mit Gestaltung wenig zu tun haben und trotzdem über den Erfolg entscheiden. Inhalte mit echten Preisen, Abläufen und Referenzen, die keine KI erfinden kann, ohne zu lügen. Ein Impressum nach österreichischem Recht, eine barrierefreie Umsetzung, Ladezeiten, Weiterleitungen beim Relaunch. Und jemand, der nach dem Launch erreichbar ist, wenn etwas nicht funktioniert.

Wir verwenden KI selbst, für Entwürfe, Code und Bildideen. Sie macht uns schneller. Die Entscheidungen trifft sie nicht.

Wird KI Webdesigner ersetzen?

Einige, ja. Am stärksten betroffen sind Einstiegsjobs und reine Umsetzung nach Vorlage. Wer nur Templates befüllt, konkurriert mit einem Werkzeug, das ein paar Euro im Monat kostet.

Wer dagegen Unternehmen hilft, Anfragen zu bekommen, hat mit KI ein besseres Werkzeug in der Hand. Seit es Textverarbeitung gibt, kann jeder einen Folder setzen. Grafikdesign gibt es trotzdem, weil der Unterschied nie im Werkzeug lag, sondern im Urteil darüber, was wirkt.

Woran Sie erkennen, ob Ihre Website mehr braucht als einen Baukasten

  • Ihre Kunden vergleichen Sie mit Mitbewerbern, bevor sie anfragen.
  • Ihr Angebot muss erklärt werden, es verkauft sich nicht über ein Foto.
  • Die Website soll Anfragen, Termine oder Verkäufe bringen, nicht nur existieren.
  • Sie haben rechtliche Pflichten, etwa als Online-Shop nach dem Barrierefreiheitsgesetz.
  • Ihre Marke soll wiedererkennbar sein, nicht austauschbar.

Trifft nichts davon zu, ist ein Baukasten eine vernünftige Wahl. Trifft mehr als ein Punkt zu, lohnt sich ein Blick darauf, was eine Website in Österreich kostet.

Häufige Fragen

Ist Webdesign 2026 noch ein Beruf mit Zukunft?

Ja, aber ein veränderter. Reine Umsetzung nach Vorlage übernehmen zunehmend KI-Werkzeuge. Gefragt sind Strategie, Gestaltung mit eigenem Charakter, Inhalte, Technik und die Verantwortung für das Ergebnis.

Kann ich meine Website komplett mit KI erstellen?

Für eine einfache Informationsseite ja. Sobald Formulare, Kundendaten, ein Shop oder rechtliche Pflichten dazukommen, sollte jemand prüfen, was die KI gebaut hat. Mehr dazu im Artikel Website mit KI erstellen.

Braucht man überhaupt noch eine Website, wenn Google und ChatGPT antworten?

Ja. KI-Antworten stützen sich auf Websites als Quelle, und wer sich für einen Anbieter interessiert, prüft ihn am Ende auf dessen eigener Website. Ohne Website fehlen beiden die Informationen.

Nutzt mowa.studio selbst KI?

Ja, als Werkzeug für Entwürfe, Code und Bildideen. Konzept, Gestaltung, Inhalte und die Prüfung des Ergebnisses machen bei uns Menschen.

Über mowa.studio

mowa.studio ist ein inhabergeführtes Studio für Webdesign, Branding und Animation in Wien, spezialisiert auf 3D im Web mit WebGL und Three.js. Seit 2016 sind über 100 Websites und mehr als 100 Markenidentitäten für Unternehmen im DACH-Raum entstanden, unter anderem für ÖBB, Ärzte am Augarten und Eurea Real Estate. Projekte ansehen

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